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Der Begriff der ›Überleitung‹ und die Musik Mozarts

Ein Beitrag zur Theorie der Sonatenhauptsatzform

Im Hinblick auf eine Theorie der Sonatenhauptsatzform gehört die nähere Bestimmung des Formteils ›Überleitung‹ zu den Desideraten der Forschung. Der folgende Beitrag zeigt den Versuch, vor dem Hintergrund zahlreicher Analysen und unter Berücksichtigung zeitgenössischer Quellen belastbare Überleitungsmodelle zu definieren, die wiederum Grundlage für einen umfassenden Theorieaufbau zum Thema ›Überleitung‹ sein könnten. Hinsichtlich der Musik Mozarts ist dieser Beitrag an ein öffentlich zugängliches Datenbankprojekt gekoppelt, das dazu einlädt, noch nicht untersuchte Überleitungen einzugeben und im Bestand der Eingaben zu recherchieren.

Ein Modell zur Beschreibung von Durchführungen im Werk W. A. Mozarts

Eine stereotype Charakterisierung von Sonaten-Durchführungen rekurriert sowohl in wissenschaftlichen als auch in pädagogischen Publikationen auf die Verarbeitung von Themen aus der Exposition. Dass die Harmonik von Durchführungen selten beschrieben wird, liegt aber nicht nur am Primat motivisch-thematischer Betrachtungsweisen, sondern auch an der Behauptung, dass die Durchführung »sehr mannigfaltige Bauarten zu haben pflegt«, während die Exposition »eine gewissen Hauptform« aufweist, die »allen ersten Perioden der größern Tonstücke gemein ist« (H. Chr. Koch). Darüber hinaus wird für Durchführungen behauptet, dass sie »kurz nach ihrem Beginn in eine im Quintenzirkel sehr weit entfernte Tonart« springen, um »dann über viele Zwischenkadenzen« wieder zurück zu modulieren (Th. Schmidt-Beste).
Ein Großteil des harmonischen Verlaufs von Durchführungen der auf der ersten großen Westeuropareise Mozarts entstandenen Sonaten- und Sinfoniekompositionen lässt sich angemessen über das Fonte-Sequenzmodell (VI#-II-V-I) beschreiben. Hinsichtlich des Lernweges des Wunderkindes überrascht dies wenig, darüber hinaus hatte die Sequenz in dieser Formfunktion bereits Eingang in die Kompositionsdidaktik gefunden (J. Riepel). In diesem Beitrag wird ein anderes Durchführungsmodell vorgestellt, das Mozart Mitte der 70iger Jahre oft verwendet hat. Anders als die Fonte-Sequenz findet es sich nicht in Menuett-Mittelteilen, lässt sich dafür aber in Kompositionen der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nachweisen und dürfte in dieser Zeit bereits eine ähnliche didaktische Funktion gehabt haben wie die Fonte-Sequenz einige Jahrzehnte später.

Spezifische Formfunktionen mediantischer Harmonik in Sonatenkompositionen W. A. Mozarts

Sowohl im amerikanischen als auch im deutschen musiktheoretischen Diskurs wird die mediantische Harmonik in Sonatenmusik des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts diskutiert. Zwei Formfunktionen des Phänomens ›mediantische Harmonik‹ sind in dieser Hinsicht von besonderem Interesse: Kleinterzverwandschaften zwischen Überleitung und Seitensatz (wie z.B. in KV 547, 2. Satz) sowie mehr oder weniger vermittelte Großterzverwandschaften zwischen Durchführung und Reprise (wie z.B. in KV 280, 1. Satz). Die bekannten Erklärungsversuche oszillieren dabei zwischen Historie und Systematik, wobei aus historischer Perspektive in der Regel auf mediantische Satzverbindungen in Barockmusik rekurriert wird. Jan LaRue hat darüber hinaus einen Bezug zum 16. Jahrhundert hergestellt und mi-fundierte Werke zur Erklärung herangezogen. In diesem Beitrag werden für die beiden Formfunktionen mediantischer Harmonik (Seitensatz- und Reprisenvorbereitung) unterschiedliche Erklärungen vorgeschlagen, wobei für die Seitensatzverbindung auf Tonleiterharmonisierungen des 18. Jahrhunderts, für den Reprisenübergang auf fa-fundierte Werke Palestrinas Bezug genommen wird.